Kulturagentinnen und Kulturagenten Schweiz

In der Gegenwart wird Bauen und handwerkliches Arbeiten für viele Menschen zunehmend abstrakt und wenig erfahrbar. Das Projekt setzt diesem Umstand eine praktische, gemeinschaftliche Erfahrung entgegen. 

Ein Kind ist damit beschäftigt zwei Dachlatten zusammenzuschrauben. Plötzlich ist jemand interessiert und hilft mit. Ko-Kreation entsteht hier nicht als geplante Aufgabe, sondern aus dem konkreten Erfordernis des Moments. Im gemeinsamen Tun wird der Fokus von der individuellen Leistung des einzelnen Kindes gelöst und hin zu einem kollektiven Prozess verschoben: Kinder unterstützen sich gegenseitig, zeigen Interesse an den Ideen der anderen und arbeiten zusammen an gemeinsamen Vorhaben.

Das Projekt beginnt ohne vorgegebenen Plan. Pia und Leto finden vor Ort im Moment mit den Kindern und Erwachsenen heraus, was sie bauen möchten. Das vorhandene Material, die Werkzeuge und die Ideen der Kinder bestimmen den Rahmen des Machbaren. Mit Kreide zeichnen sie gemeinsam auf den Boden, was später realisiert werden soll. Ein Liegestuhl für mehrere Personen, ein Rössli oder ein Rückzugsort. Spontan machen sich Pia und Leto im Dialog mit den Kindern auf die Suche nach den Wünschen und Ideen, die gerade im Raum sind. 

Im Rahmen des Projekts gestalten die Schülerinnen und Schüler der Heilpädagogischen Schule Mauren während einer Woche Objekte aus Dachlatten für ihren Schulhausplatz. Es entstehen Sitzgelegenheiten, Häuschen und Unterschlüpfe, Tierskulpturen und eine Stretchlimousine. Über das Bauen, Kreieren und Platzieren eignen sich die SuS den Aussenraum aktiv an. Sie gestalten ihre Umgebung aktiv mit. Nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen. Die Workshopleiter*innen Pia und Leto führen sachte durch den Tag. Sie greifen die Wünsche der Kinder auf, bringen sie mit Kreide auf den Boden und leiten die Ausführung an. Ausgangspunkt bleiben stets die Ideen der Kinder, die ernst genommen und weiterentwickelt werden. 

Durch den handlungsorientierten Bauprozess erfahren sie Selbstwirksamkeit und gestalten Aufenthaltsmöglichkeiten, die ihrem Bedürfnis nach Rückzug, Begegnung und Wohlbefinden entsprechen. Sie führen nicht nur aus, sondern bestimmen und gestalten die Richtung der Woche entscheidend mit. Im Fokus des Projekts stand die kollektive Auseinandersetzung mit dem Thema Bauen sowie das gemeinsame kreativ Arbeiten. 

Das Projekt sensibilisiert die Schüler *innen für Architektur und Handwerk. Spielerisch probieren sie sich in verschiedenen Aspekten aus: Entwerfen, Umsetzen, Werken. Das Projekt fördert Wahrnehmung, Kreativität und gemeinschaftliches Arbeiten, insbesondere aber auch Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig schafft es einen niederschwelligen Zugang zur Reflexion über Raum und dessen Nutzung- insbesondere im Hinblick auf Bedürfnisse wie Rückzug und gemeinsames Beisammensein.