Farbe - Raum - Innenhof
Mauren, Stiftung Schuel Muure
Ein experimenteller Zugang zu Architektur
Schule: Mauren, Stiftung Schuel Muure
Kulturagent.in: Niklaus Reichle
Zeitraum: 22.06.–26.06.2026
Adressat.innen: Lehrer.innen
Klassenstufe: Zyklus 3
Anzahl Teilnehmende: 30
Partner.innen:
Ein kaum genutzter Innenhof mit Glasdach fristet einen Dornröschenschlaf. Im Winter ist es zu kalt, im Sommer oft zu heiss, um sich dort aufzuhalten. Während einer Projektwoche wird dieser Zwischenraum zum Experimentierfeld für Farbe, Licht und Architektur. Eine Woche lang erforschen Schüler*innen der HPS Mauren angeleitet durch die Drumrum Raumschule, wie sich Räume durch kleine Interventionen verändern lassen – und wie sich mit einfachen Mitteln unsere Wahrnehmung verschiebt. Der bevorstehende Neubau eines Schulteils rückt das Thema Architektur in den Mittelpunkt. Wie können Räume gedacht, gestaltet und erlebt werden? Und wie lässt sich Architektur im Unterricht nicht nur besprechen, sondern sinnlich erfahrbar machen? Das Projekt «Farbe – Raum – Innenhof» macht diese Fragen zum Ausgangspunkt. Während einer Woche experimentieren Schüler*innen der HPS Mauren mit Farben, Formen und Materialien und schaffen zusammen eine begehbare, sinnliche Rauminstallation. Im Farblabor bemale eine Gruppe mit Malerrollen grosse Kartonflächen. Schicht für Schicht wird die Farbe immer dichter. Das wiederholte Auftragen der Farbe wird Anlass zum meditativen Eintauchen. Was zunächst einfach erscheint, erfordert Geduld als auch Aufmerksamkeit und holt viele der Schüler*innen ab. Aus der Auseinandersetzung mit der Farbe entwickeln sich weitere Experimente: Mit einfachen Mitteln werden Strukturen erzeugt und Oberflächen verändert. Schritt für Schritt entstehen so die Bauteile für begehbare Farbkörper. Im Raum daneben arbeitet eine andere Gruppe mit transparenten Folien und Karton an einem hängbaren Lichtobjekt. Dieses soll mit dem Sonnenlicht Farben und Formen auf den Boden des Lichthofs zeichnen. Die Folien werden eingehend erforscht: Durch sie wird hindurchgeblickt, die Wirkung des Sonnenlichts wird beobachtet, sie werden als Farbfilter vor die Augen gehalten oder als Spiel mit verschiedenen Lichtquellen eingesetzt. Beim Durchschauen verändert sich das Betrachtete. Farbfilter werfen die Welt in neues Licht. Die Haut des Gegenübers erscheint verändert, Sommersprossen verschwinden plötzlich. Welche Wirkung haben Farben? Womit verbinden wir sie? Die Schüler*innen sammeln ihre Gedanken zu den Farben und ihrer Bedeutung auf kleinen Wortkarten, die Teil des entstehenden Lichtobjekts werden. Am Ende fügen sich die einzelnen Elemente zu einer grossen hängenden Lichtinsel im Lichthof. Im Nebengebäude bauen die Schüler*innen zu zweit aus vorbereiteten Papierbögen Modelle des Lichthofs. Aus zweidimensionalem Papier wird ein wahrnehmbarer Raum. Anschliessend setzen sich die Zweiergruppen mit ihren Bedürfnissen auseinander und verwenden vielfältige Materialien, um einen eigenen Wunschraum zu gestalten: Vom Gamezimmer über einen Chillraum bis hin zum Pool. Im Kleinen erleben die Schüler*innen, was es bedeutet, Räume zu planen, Entscheidungen zu treffen und eigene Vorstellungen sichtbar zu machen. Ein weiterer Teil des Projekts widmet sich dem Körper und der Bewegung im Raum. Auf einem Platz hinter der Schule ist eine kleine Gruppe damit beschäftigt, weisse Overalls und Masken mit Farbe zu besprayen, bemalen und zu bekleben. Im Workshop «Farbkörper» wird der eigene Körper zum Gestaltungselement. Verkleidet und im Zusammenspiel mit anderen entstehen Choreografien, in denen die Farbgruppen den Lichthof mit Bewegung und Musik bespielen. Eine Gruppe begleitet den Prozess filmisch und hält die entstandenen Bilder in einem Kurzfilm fest. Am Freitag werden die verschiedenen Resultate im Lichthof zusammengeführt. Die Lichtinsel bespielt den Boden mit Projektionen in Blau, Rot, Grün und Gelb. Mit dem Gang der Sonne wandelt sich der Raum. Die dreidimensionalen Farbkörper aus dem bemalten Karton laden dazu ein, betreten und von innen erlebt zu werden. Auf der Steintreppe präsentieren die Architekturmodelle die vielfältigen Wunschräume der Schüler*innen. Auf einem Screen sind die entstandenen Performances zu sehen. Das Projekt macht die abstrakte Disziplin Architektur über unmittelbare Erfahrungen zugänglich. Der gestaltende Umgang mit Raum verbindet sich mit Wahrnehmungsprozessen und den individuellen sowie gemeinschaftlichen Bedürfnissen der Schüler*innen. Die Projektwoche zeigt, wie aus einem wenig genutzten Innenhof für kurze Zeit ein Ort der Bewegung, Begegnung und Wahrnehmung werden kann. Die Installation macht sichtbar, wie Architektur durch Farbe, Licht, Material und die Ideen der Schüler*innen neu entdeckt und gemeinsam gestaltet werden kann.