Kulturagentinnen und Kulturagenten Schweiz

Diese Frage lässt sich mit Blick auf das Sekundarschulzentrum Egelsee gar nicht so einfach beantworten. Die Schüler*innen sind hier einerseits Teil einer Klasse, andererseits aber auch in einigen Fächern verschiedenen Niveauklassen zugeteilt. Mehrmals täglich finden sie sich in neuen Klassenzusammensetzungen bei anderen Lehrpersonen. Eine durchgetaktete Struktur, in der nicht einfach so ein Kulturprojekt mit einer Klasse durchgeführt werden kann. Wir machen uns auf die Suche nach diesem Wo.

Wie machen es andere Schulen?

In einer Hop-on-Hop-off Tour bin ich als Kulturagentin die Reiseleiterin und führe die Kulturgruppe durch verschiedenste Kulturprojekt-Dokumentationen: kleine und grosse, klassische und provokante, nationale und internationale. Immer mehr wird den Lehrpersonen bewusst, wie Themen, Inhalte und Diskurse Ausgangslagen von Kulturprojekten bilden. Aber wo findet sich Platz im Schulprogramm, ohne das System zu überfordern?

«Wenn… dann da!»-Orte

Eine Antwort auf diese Frage gibt ein Vortrag der Kulturbeauftragten Alexandra Kersten, der von den Kolleg*innen der Kulturagent*innen Berlin in ihrer MATERIAL:Box zur Verfügung gestellt wird. Kersten spricht von «Wenn… dann da!»-Orten und eröffnet damit eine Perspektive, wie Möglichkeitsräume der kulturellen Bildung im Schulprogramm gefunden werden können. Mit der «Wenn… dann da!»-Brille machen wir uns auf die Suche nach Gefässen und Zeitpunkten im Schuljahresprogramm, die es sowieso schon gibt und die immer wieder aufs Neue programmiert werden müssen. Neue Programminputs sind an diesen Orten sehr willkommen! Wie wäre es, hier einmal auf kulturelle Bildung zu setzen? Wir werden fündig. Das Bain de Langue, eine dreitägige Schulreise in die Romandie, die jedes Jahr mit den Klassen des 2. Jahrgangs durchgeführt wird. Wie kann lustvoll der französischen Sprache begegnet und der besuchte Ort mit allen Sinnen erlebt werden? Die Hop-on-Hop-off Tour geht weiter.

Wie machen es andere Schulen? Teil 2

Wieder werden die Suchenden in der Material:Box der Kulturagent*innen Berlin fündig. «FLANIEREN FÜR ALLE!» ist eine Methodensammlung zur künstlerischen Erforschung urbaner Räume. Dieser Guide orientiert sich an den Spaziergangswissenschaften des Schweizer Soziologen Lucius Burckhardt. Beim Durchstöbern des Guides gefällt die Methode des geplanten Verlaufens besonders gut. Mittels Handlungsanweisungen begibt man sich auf eine Reise durch einen Ort, wie man sie sonst nicht machen würde: Man biegt links ab, beobachtet das Geschehen auf einem Platz, als wäre es ein Film, folgt dem lautesten Geräusch oder einer Person mit Tasche – ohne dabei entdeckt zu werden.

Der Entschluss wird gefasst: Inspiriert von der Methode «verloren gehen» aus «FLANIEREN FÜR ALLE!» wird ein mehrstündiges Programm entwickelt (siehe Dokumentation «se promener pour se perdre»). Das Programm soll einfach in der Handhabung und allen Lehrpersonen, die das Bain de Langue begleiten, zur Verfügung stehen. Die Kulturbeauftragte, die gleichzeitig auch Französischlehrerin ist, fertigt zusammen mit der Kulturagentin die künstlerisch forschende Verlauf-Reise «se promener pour se perdre» an.

Diese Hop-on-hop-off Reise hat mir gezeigt, dass das Rad nicht immer neu erfunden werden muss. Unzählige Projektdokumentationen, Unterrichtsmaterialien und Learnings stehen in verschiedensten Materialbereichen online zur Verfügung und wollen nachgeahmt werden. Mich als Kulturagentin braucht es in solchen Situationen tatsächlich mehr als Reiseleiterin denn als Projekterfinderin. Denn Materialbereiche müssen erst einmal gefunden werden. Sind sie dann gefunden, waren sie in diesem Fall Inspiration und Mutmacher, um sich in noch unbekannte Kultur-Erfahrungen zu stürzen.

Übrigens, auch die Kulturagent.innen Schweiz haben einen Materialienbereich!